Interview mit VFX Producer Jonas Ulrich von PIXOMONDO

Seit 2012 kann man bei PIXL VISN in Köln die Ausbildung zum 3D Visual Effects Artist absolvieren, auf diese Weise fanden bis heute bereits sehr viele Talente erfolgreich den Weg in die Visual Effects (VFX)-Branche. Wir möchten Euch heute einmal einen Studenten der allerersten Stunde vorstellen, der sich damals tatsächlich als Erster für die Ausbildung bei PIXL VISN angemeldet hatte. Sein Name ist Jonas Ulrich und er arbeitet seit 2015 bei PIXOMONDO, einem der weltweit größten und erfolgreichsten VFX-Studios.


Jonas erhielt damals die Möglichkeit, bei PIXOMONDO in Stuttgart als VFX Coordinator anzufangen, er wechselte also mit seinem Einstieg dort direkt von der „schaffenden Seite“ auf eine leitende Position. Nach zwei Jahren stieg Jonas dann intern zum Inhouse Producer auf und im Juni 2018 wurde er schließlich zum VFX Producer befördert. Dies nahmen wir nun einmal zum Anlass, mit Jonas im Rahmen eines Interviews über seinen Job und seine Erfahrungen in der Branche zu sprechen. Außerdem gibt Jonas darin einige Einblicke, worauf es in erster Linie für den erfolgreichen Einstieg in die VFX-Branche ankommt und wie die Perspektiven insgesamt aussehen. Wir sind sehr dankbar, dass sich Jonas die Zeit genommen hat, um einmal aus der „Studio-Perspektive“ zu berichten.


Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

 

Jonas Ulrich von PIXOMONDO

 

PIXL VISN: Hallo Jonas, Du bist bei PIXOMONDO kürzlich ja intern zum VFX Producer aufgestiegen. Herzlichen Glückwunsch!
Jonas Ulrich: Vielen Dank.

Erzähl uns doch zunächst einmal ein Wenig über PIXOMONDO. Die meisten Leute kennen ja nur die Filme oder Serien, für die Ihr die Visual Effects erstellt. Dabei ist PIXOMONDO ja eines der weltweit größten VFX-Studios und kommt aus Deutschland.
Sehr gerne. PIXOMONDO wurde 2001 von unserem CEO Thilo Kuther in Deutschland gegründet. Mittlerweile haben wir mit Frankfurt, Stuttgart, Los Angeles, Vancouver, Toronto, Peking und Shanghai weltweit sieben Standorte mit insgesamt über 500 Mitarbeitern. Zu unseren größten Erfolgen gehören mit Sicherheit der Oscar für Visual Effects, den wir 2012 für unsere Arbeit am 3D-Film "Hugo Cabret" erhalten haben, sowie mehrere andere Awards für unsere Arbeit an der Erfolgsserie „Game of Thrones“.

An welchen Projekten hast Du denn während Deiner Zeit bei PIXOMONDO selbst bisher gearbeitet und woran arbeitest Du zurzeit?
Da wir so viele Standorte weltweit haben, kommt es oft vor, dass wir einander aushelfen. Dadurch habe ich zum Beispiel an Filmen wie „Power Rangers“, „Fast & Furious 8“, „xXx: Return of Xander Cage“, „The Dark Tower“ und Serien wie „The Walking Dead“ und „Siren“ mitgewirkt. Die für mich umfangreichsten Projekte waren bisher jedoch „The Shannara Chronicles“, „Live by Night“ und „Sky Hunter“. Aktuell arbeite ich an „Iron Sky 2“.

PIXOMONDO-Projekte
© PIXOMONDO

Du warst 2015 der erste Absolvent von PIXL VISN, der überhaupt bei PIXOMONDO angefangen hat. Wie viele ehemalige PIXL VISN-Studenten arbeiten denn inzwischen bei Euch?
Aktuell arbeiten bei uns am Stuttgarter Standort fünf ehemalige PIXL VISN-Studenten, und in Frankfurt sind es meines Wissens nach ebenfalls noch einmal fünf.

Was genau sind überhaupt Deine Aufgaben in der Rolle als VFX Producer, wie können wir uns Deinen Arbeitsalltag vorstellen?
Da sich ja nur die Wenigsten unter dem Begriff „Visual Effects Producer“ etwas vorstellen können, vergleiche ich es im Normalfall mit einem Projektleiter. Das beinhaltet dann unter anderem die Angebotserstellung, den Kundenkontakt, die interne Kommunikation, die Teamplanung und natürlich auch die komplette Abarbeitung des Projekts unter Berücksichtigung der zeitlichen und budgettechnischen Grenzen. Dementsprechend bin ich nicht den Weg des Artists gegangen, für den PIXL VISN eigentlich ausbildet, sondern bin auf die Production-Schiene gewechselt.

Das klingt nach einer ganzen Menge Verantwortung.
Das stimmt. Wie natürlich jeder Projektleiter trage im ersten Moment ich die Verantwortung, falls irgendwelche Vorgaben nicht eingehalten werden. Jedoch liegt das in unserer Branche meist eher daran, dass sich der Regisseur beziehungsweise der Kunde umentscheidet, sei es bei Schnittänderungen des Films oder bei inhaltlichen Änderungen. Hier muss man sich dann einigen, ob und wie man das umsetzen kann und ob eventuell noch nachverhandelt werden muss. Wichtig zu erwähnen ist hierbei auch, dass wir auf Projekten immer als Doppelspitze arbeiten. Also VFX Producer und VFX Supervisor, die zusammen an einem Strang ziehen, um das Projekt zu stemmen. Während der Producer die organisatorische Verantwortung trägt, geht es für den VFX Supervisor vor allem um Qualität und Kreativität.

Bist Du denn auch an der Personalauswahl für zu besetzende Stellen bei den Visual Effects Artists beteiligt?
Ja, das bin ich in der Tat. Dadurch, dass ich noch recht gut zu PIXL VISN vernetzt bin, habe ich beispielsweise auch die Demo Reels Eurer letzten Absolventen ziemlich früh sehen können und konnte sie direkt intern bei uns in der Firma weiterleiten. Einige der Kandidaten wurden dann auch direkt aktiv zu Bewerbungsgesprächen von uns eingeladen, welche ich dann zusammen mit dem Leiter des jeweiligen Departments geführt habe.

„Wenn das Demo Reel nicht gut ist, bringt auch ein abgeschlossenes Masterstudium nichts. In unserer Branche geht es vor allem um Leidenschaft, Kreativität und Können.“


Worauf achtet Ihr denn bei eingehenden Bewerbungen, sind Euch Zeugnisse und bestimmte Abschlüsse wichtig?
Bei Bewerbungen schauen wir vor allem auf das Demo Reel und die bisherige Erfahrung. Schulabschluss, Ausbildung oder Ähnliches sind da wirklich völlig zweitrangig. Wenn das Reel nicht gut ist, bringt auch ein abgeschlossenes Masterstudium nichts. In unserer Branche geht es vor allem um Leidenschaft, Kreativität und Können, das lässt sich über ein Zeugnis nicht wirklich darstellen. Zumal es für Visual Effects auch einfach keinen standardisierten Abschluss gibt, der Vergleichbarkeit schaffen würde. Die Leute, die bei uns arbeiten, kommen aus allen möglichen Richtungen. Manche haben zielgerichtet etwas in die Richtung studiert oder eine Ausbildung gemacht. In seltenen Einzelfällen haben wir aber auch Leute, die das bisher nur als Hobby gemacht haben und vor allem deswegen so gut sind, weil sie es mit voller Leidenschaft betreiben.

Welche Fähigkeiten sind denn vor allem wichtig, um den Berufseinstieg in einem großen Studio zu schaffen?
Wie gesagt ist vor allem das Demo Reel wichtig. Dementsprechend hilft es hier natürlich, wenn man sich von der Konkurrenz abheben kann. Generell empfehle ich allen Studenten, dass sie sich lieber auf ihre Stärken und Interessen konzentrieren und dabei wenige, kleinere Dinge mit sehr hoher Qualität erstellen sollten. Sie sollten also nicht versuchen, eine möglichst große Bandbreite abzudecken. Wenn Ihr zum Beispiel an Animation interessiert seid, ist es natürlich sehr verlockend, einen eigenen Charakter zu erstellen, den man animieren will. Jedoch kostet es viel Zeit, diesen Charakter auf ein ordentliches Level zu bringen. Investiert diese Zeit lieber in das, was Euch wirklich am Herzen liegt, da es am Ende eher von der guten Animation ablenken wird, wenn der Charakter merkwürdig ist. Ich kenne das noch von mir selbst, dass man natürlich direkt einen riesigen Film machen will, um zu zeigen, was man alles kann. Aber das funktioniert vermutlich nur bei den Wenigsten. Da fehlt im Normalfall die Zeit und vor allem auch die Manpower, wenn man sich alleine daran wagt.

PIXOMONDO-Projekte
© PIXOMONDO

Und wie geht es nach dem Berufseinstieg weiter? Ist man dann auf einen Bereich festgelegt und sitzt dann den ganzen Tag nur am Computer oder gibt es auch eine gewisse Abwechslung und Entwicklungsmöglichkeiten?
Das kommt in erster Linie darauf an, für welchen Bereich man sich entscheidet. Generell findet natürlich der größte Teil des Jobs vor dem PC statt, doch gibt es auch Möglichkeiten, mal raus zu kommen. Zum Beispiel ans Set zum Filmdreh oder Referenzen sammeln. Die Animatoren von „Kung Fu Panda“ zum Beispiel sind vor Beginn des Films in einen Panda-Park gefahren, um die Bewegungen dieser zu studieren, bevor sie die dann am PC nachgebaut haben. Welches Arbeitsfeld man wählt liegt natürlich an jedem selbst und ich kenne auch Artists, die sich dafür entscheiden, nach Jahren ihre Spezialisierung nochmal zu wechseln. Zusätzlich ist die Vielfalt der Arbeit aber auch immer ein bisschen vom Studio abhängig. Je größer das Studio ist, desto spezialisierter sind die Artists im Normalfall auch. Als Ausgleich versuchen wir bei uns zum Beispiel, an den Wochenenden oder abends irgendwelche Aktionen zu starten, um ein bisschen Bewegung reinzubringen, zum Beispiel Basketball spielen, in den Park gehen oder Ausflüge.

Wie beständig sind denn eigentlich die Arbeitsverträge? Gibt es nur kurzfristige Anstellungen oder kann man in dem Berufsfeld auch langfristiger planen?
Das variiert grundsätzlich ein bisschen zwischen den Firmen. Da die Branche ja auf Projektarbeit basiert, gibt es natürlich viele Projektverträge, die dann eben von der jeweiligen Länge des Projekts abhängen. Zusätzlich werden vor allem vor Projektende meist noch einmal viele Artists für den Endspurt eingestellt. Bei uns in Stuttgart versuchen wir aber eigentlich immer, langfristig mit den Artists zusammenzuarbeiten und haben Mindestvertragslängen von sechs Monaten, die wir im Normalfall am liebsten immer verlängern möchten. Dementsprechend folgt auf den Einstiegsvertrag dann zumeist ein Einjahresvertrag.

„Die Branche wächst weltweit und natürlich in Deutschland auch.“


Nachdem Du ja jetzt bereits einige Jahre in verantwortungsvoller Rolle in der VFX-Branche unterwegs bist, hast Du mit Sicherheit auch einen übergeordneten Blick auf die allgemeine Entwicklung. Wie würdest Du den Ausblick für die Branche insgesamt, aber vor allem auch für die zukünftige Entwicklung in Deutschland einschätzen?
Die VFX-Branche ist sehr kompetitiv und der entscheidende Faktor ist leider hauptsächlich das Geld. Dementsprechend suchen die großen Filmstudios im Normalfall nach dem VFX-Studio, welches ihnen den größten Rabatt geben kann, meistens basierend auf lokaler Subventionierung. Das ist auch letztlich der Grund, warum der Hotspot der VFX-Szene aktuell in Vancouver und Montreal liegt. Dort ist die Industrieförderung mit am stärksten. Hier in Deutschland wurde in den letzten Jahren aber die Förderung ebenfalls erhöht, dementsprechend werden wir auch hier als Standort für internationale Produktionen immer interessanter. Gerade im aktuellen Zeitalter, wo es immer mehr On-Demand-Streaming-Möglichkeiten wie zum Beispiel Netflix und Co gibt, wächst die Branche weltweit und natürlich in Deutschland auch. Sehr gute Beispiele für das Wachstum der deutschen Filmbranche sind zum Beispiel die Serien „Dark“ und „Babylon Berlin“.

Das heißt, man muss als deutscher Visual Effects Artist nicht zwangsläufig ins Ausland gehen?
Zwangsläufig auf keinen Fall! Es gibt genügend Studios und interessante Projekte hier in Deutschland. Mir persönlich hat es jedoch immer sehr gut gefallen, dass auch die Möglichkeit besteht, mit dem Job die Welt zu sehen. Das ist nicht in jedem Job so einfach möglich.

PIXOMONDO-Büros weltweit
Badges der sieben Büros von PIXOMONDO. © PIXOMONDO

Du selbst warst ja in der Tat der allererste Student, der sich 2012 bei PIXL VISN für die Ausbildung zum Visual Effects Artist angemeldet hatte. Inwieweit hilft Dir diese Ausbildung bei Deiner nun leitenden Tätigkeit?
Wie bereits erwähnt weicht mein Karriereweg ja von dem eigentlich vorgesehenen ab. Ich bin damals durch eine recht glückliche Fügung auf diese Schiene gerutscht und habe schnell erkannt, dass mir die Production-Seite sehr liegt und zu meinen Stärken passt. Hierbei profitiere ich sehr von der Ausbildung bei PIXL VISN, da sie mir ein sehr breit gefächertes Wissen der Produktionsabläufe vermittelt hat, was mir bei der Projektplanung und der Aufwandseinschätzung hilft.

„Sucht Euch den Bereich aus, der Euch am meisten interessiert und für den Ihr die meiste Leidenschaft habt.“


Welchen Tipp würdest Du abschließend noch aktuellen Studenten geben, die in die VFX-Branche einsteigen möchten?
Sucht Euch den Bereich aus, der Euch am meisten interessiert und für den Ihr die meiste Leidenschaft habt. Generell sind meines Erachtens nach vor allem die technischen Bereiche wie zum Beispiel Rigging und Pipeline in der Branche gefragt. Zusätzlich würde ich versuchen, auf Events wie zum Beispiel der FMX zu networken und Feedback auf bisherige Arbeiten zu sammeln, um ein möglichst starkes Demo Reel zu haben. Das Demo Reel ist für den Start halt das A und O. Und je besser das Studio ist, in dem Ihr nach der Ausbildung landet, umso schneller kommt Ihr anschließend voran.

Jonas, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Dir für Deine berufliche Zukunft alles Gute!

 

Wir hoffen, dass Euch dieses Interview mit Jonas gefallen und einige interessante Einblicke in die VFX-Branche gegeben hat. Wir fanden das Gespräch jedenfalls sehr aufschlussreich und bedanken uns auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bei Jonas, dass er uns so ausführlich Rede und Antwort gestanden hat.


Euer PIXL VISN Team

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